The amazing Mr. Trumple ...

Er will eine Mauer an der mexikanischen Grenze, die Mexiko bezahlen soll. Er plant eine Versöhnung mit Russland und setzt sich gleichzeitig bei den Chinesen in die Nesseln. Er verspricht, Amerika wieder großartig zu machen - mit einem scharf rechts gerichteten Gruselkabinett. Das ist Mr. Trump und wie er die Welt sieht - ein mit großen Plänen bestückter Elefant im Porzellanladen.
Ich äußere mich ja bekanntlich nur selten politisch. Doch derzeit wundere ich mich doch etwas über die Vorgänge in den USA. Noch vor einem Jahr zog kaum jemand ernsthaft in Erwägung, dass ein Donald Trump auch nur zum Kandidaten für das Präsidentenamt aufsteigen würde. Nun sitzt er seit einem Monat im Weißen Haus, und kaum ein Tag vergeht ohne Neuigkeiten bezüglich seiner Aktivitäten. Ich ertappe mich dabei, wie ich die Nachrichtenportale täglich besuche mit der Frage im Hinterkopf: "Was hat er denn heute wieder angestellt?"

Bei aller Fragwürdigkeit hinsichtlich seines politischen Stils komme ich aber, wenn ich ehrlich sein soll, immer wieder zu dem Schluss, dass dieser Mann nichts anderes ist als die Manifestation dessen, was sich weltweit momentan beobachten lässt. Nur noch wenige Mitmenschen sind mit ihrer Landes- und Außenpolitik zufrieden, heften sich an (oft lediglich selbstkonstruierte) Probleme und schimpfen auf die Regierungen. Populismus macht sich breit, der Tür und Tor öffnet für extremes Gedankengut, sei es von rechts oder von links. Und hier sehen wir nun zum ersten Mal - amtlich und mächtig - das Ergebnis dieser Sorgen.

Nun gibt es - grob gesagt - zwei Kategorien unter den lauten Stimmen: Diejenigen, die von vornherein der Meinung waren, dass die USA ohnehin nur die Wahl zwischen Pest und Cholera hatten und nun hoffen, dass durch das Scheitern Hillary Clintons die Kriegsgefahr eingedämmt wurde (wobei sie sich allmählich des gefährlichen Narzissmusses des Amtsinhabers bewusst werden) und diejenigen, die ja ohnehin alles vorher schon gewusst haben. In den Kommentaren der Nachrichten werden sich nun die Mäuler zerrissen, und kaum jemand kann noch zwischen seriöser Berichterstattung und den gerade in letzter Zeit so hochgekochten "Fake News" unterscheiden. Aber wenn auch noch so viel geschimpft wird, so ist doch eines sicher: Mr. Trump ist nun mal der amtierende US-Präsident, den die Welt unter normalen Umständen mindestens vier Jahre ertragen muss. Da nützt auch die Kritik am Wahlmännersystem nichts, mit dem schließlich alle vorangegangenen Präsidenten ebenfalls ermittelt wurden.

Vielleicht sollten wir erst einmal alle tief durchatmen und uns über etwas völlig anderes klar werden: Donald Trump ist die unweigerliche Konsequenz eines kollektiven Wandels, den wir alle mit zu verantworten haben. Und statt uns darüber aufzuregen, sollten wir uns vielleicht eher mal Gedanken darüber machen, ob wir nicht etwas Positives aus der ganzen Angelegenheit lernen können. Ja, im Ernst: Mr. Trump bringt uns die große Chance, unsere Augen aufzumachen und grandiose Erkenntnisse aus den Gegebenheiten zu ziehen. Das betrifft uns in Deutschland gerade dieses Jahr ganz besonders, denn schließlich stehen in der zweiten Jahreshälfte die Bundestagswahlen an. Und es mag sich ein Jeder selbst überlegen, ob es eine reelle Maßnahme ist, mit populistischen Ansichten zu versuchen, etwas Gutes zu bewirken. Hier mag jeder zu einem eigenen Ergebnis kommen.

Es verhält sich alles in allem wie mit einem Tümpel, in dessen Grund ordentlich gewühlt wird: Umbruchszeiten sind dafür bekannt, den ganzen Schlamm erst mal nach oben zu befördern. Und es ist dann notwendig, sich um eben diesen Schlamm zu kümmern, damit das Wasser allmählich wieder klar wird und die Sicht auf die naheliegenden Lösungen wieder frei wird.

Alles, was wir tun müssen, ist zu beobachten. Denn was sich in den Staaten abspielt - ob es sich zum Guten oder Schlechten entwickelt -, steht uns selbst ebenfalls bevor, wenn wir uns entsprechend entscheiden. Doch dieses politische Geschimpfe aus einem emotionalen Bauchgefühl heraus ist keine Alternative. Wir müssen beobachten, denken und dann entscheiden. Und eines sollten wir dabei in jedem Fall mitwählen: Unsere Menschlichkeit!

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