Heiminvasion abgelehnt

Die reguläre Veröffentlichung von Extremhorror ist ja hierzulande nach wie vor so eine Sache, und bezüglich des Erscheinens meines neuen Romans "Home Invasion - Die Faust des Terrors" zeichnet sich der GAU bereits ab. Nach der Einreichung des Manuskriptes wunderte mich schon die lange Bearbeitungszeit. Zwei Wochen später schließlich erreichte mich eine Mail mit folgendem Wortlaut: "Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass Ihr eingereichtes Manuskript aufgrund seines Inhaltes den Grundsätzen unseres Unternehmens bzw. unserer Vertriebspartner widerspricht und wir es deshalb nicht in den Handel bringen möchten. Daher lehnen wir eine Veröffentlichung Ihres Titels in unserem Hause ab. Wir bitten um Ihr Verständnis."

So weit, so gut. Wenn der eingereichte Text gegen die Gepflogenheiten des Hauses und gegen die vertraglichen Bedingungen verstößt, so hat der Verlag/Dienstleister/Distributor selbstverständlich das Recht, das Manuskript abzulehnen. Dafür habe ich in der Tat Verständnis, und ich werde deswegen das Verhältnis keineswegs aus Frust und Gram aufkündigen. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich so etwas sogar schon befürchtet, hoffte aber insgeheim darauf, dass die werten Damen und Herren die Satire in dem zugegebenermaßen brutalen, sadistischen und grenzüberschreitenden Text erkennen. Bei der Vielzahl an den täglich dort eingehenden Manuskripten kann ich mir andererseits nicht vorstellen, dass jedes einzelne dort mit Herz und Verstand gelesen wird. Vermutlich werden sie lediglich überflogen und auf bestimmte Schlagworte hin überprüft. Und da ist "Home Invasion" halt durch das Raster gefallen. So etwas kommt vor, und das ist kein Weltuntergang.

Streng genommen ist es noch nicht einmal der Rede wert, denn die Ablehnung seitens meines "Geschäftspartners" ist eigentlich nur eine Bestätigung, dass ich mit meinem Roman genau den Nerv getroffen habe, auf den ich abzielte. Bezogen auf die dargestellten Handlungen in gewalttätiger und auch sexueller Hinsicht überschreitet es Grenzen, die normalerweise definitiv tabu sind, selbst für so manchen Autor in Sachen Extremhorror. Und es sind gerade Tabus und Grenzen, die ich hin und wieder ganz bewusst überschreiten will. Die beschriebenen Szenen dienen aber in diesem Fall keineswegs dem Selbstzweck, sondern zielen auf die gern verleugnete Eigenschaft des Menschen hin, leicht beeinflussbar zu sein. Dass dies eine Tatsache ist, zeigt sich gerade in dieser Zeit immer wieder in der Politik. Ohne die Möglichkeit einer kollektiven Gehirnwäsche wäre es keiner rechtsextremen Partei möglich, auch nur einen Fuß in die Parlamente zu setzen. So wird das Ganze absichtlich sehr überzeichnet dargestellt und durch die Gedanken und Äußerungen der Protagonisten, die manipuliert und gegeneinander aufgehetzt werden, zur Satire.

Diese Satire erkennt man aber nur, wenn man sich wirklich auf den Text einlässt. Überfliegt man ihn nur, wird man sich definitiv mit Abscheu von dem Buch abwenden (und ich sehe vor meinem geistigen Auge schon jetzt die Schmährezensionen und Vorhaltungen, wie krank der Autor doch sein muss, so etwas zu veröffentlichen). Es geht in Wirklichkeit um die Macht einer raffinierten Rhetorik, derer sich fanatische Anhänger bestimmter Überzeugungen bedienen, um Kriege und Volksaufstände zu inszenieren sowie das Gewaltpotential derart zu erhöhen, dass Menschen am Ende wie Tiere übereinander herfallen. Der Text richtet sich an aufnahmefähige, des Denkens fähige Leser.

Ich schrieb weiter oben von einem GAU, aber es ist freilich noch nicht der Super-GAU. Ich schreibe nicht für Verlagsmogule, Moralapostel oder gar für Vater Staat. Ich schreibe für meine Leser und nicht zuletzt auch für mich, und wer mit meinem Genre nichts anfangen kann, muss halt die Finger von meinen Werken lassen. Natürlich kann es auch nach der Veröffentlichung noch vorkommen, dass das Machwerk von den Buchhändlern und -portalen boykottiert oder von höheren Instanzen indiziert oder sogar verboten wird. Aber das ist noch Zukunftsmusik, und ich lasse es drauf ankommen.

Plan A ist gescheitert, und derzeit arbeite ich an Plan B. Auch einen Plan C habe ich noch in der Tasche, der zwar etwas außergewöhnlich wäre, aber warten wir mal ab, wie sich die Dinge entwickeln. Doch eines kann ich definitiv versprechen: "Home Invasion - Die Faust des Terrors" WIRD erscheinen. Und nur eine Beschlagnahme des Titels könnte dies vereiteln.

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