16 - Das alte Haus von Rodney Oates

(c) 2015 J. Mertens

 

BoD-Short (eBook)

enthalten in: "Weitere Psychotische Episoden"

 

€ 0,99

 

Beziehbar über die meisten großen Internetportale (siehe weiter unten).



Nach einem missglückten Tankstellenüberfall flüchtet der Kleinkriminelle Ricky Briggs in ein abgelegenes altes Haus. Schnell bemerkt er, dass mit dem Anwesen etwas nicht stimmt: Die innere Geometrie entbehrt jeder Logik und geisterhafte Gestalten stellen ihm nach. Selbst die Polizei traut sich offenbar nicht in das Gebäude hinein. Stattdessen wird Eugene Potter, der Besitzer des Hauses, auf den Plan gerufen, denn nur er kennt die wahre Natur des mysteriösen Bauwerks ...




Die ganze Sache war von vornherein eine dumme Idee gewesen, und genau genommen hätte er sich denken können, dass ein derart unausgereiftes Vorhaben scheitern musste. Trotzdem hatte sich Ricky Briggs dazu hinreißen lassen, in diesem verschlafenen Nest die Tankstelle mit einem Baseballschläger zu überfallen. Und was hatte ihm das jetzt gebracht? Nichts! Der Tankwart hatte, statt ihm den verlangten Kasseninhalt auszuhändigen, mit dem Hervorholen einer Schrotflinte geantwortet, was Ricky dazu veranlasst hatte, den Schläger fallenzulassen, in seine Corvette zu hechten und das Weite zu suchen. Sein Pech war außerdem noch verdoppelt worden, als zwei Cops, die sich mit ihrem Streifenwagen gerade an der Tankstelle einfanden, seine Flucht bemerkten und augenblicklich mit eingeschalteten Sirenen die Verfolgung aufnahmen. Das einzige Glück, das er in dieser Situation noch hatte, war die Geschwindigkeit seines geliebten Fahrzeuges, das dem eher durchschnittlichen Polizeiwagen weit überlegen war. Dennoch gelang es ihm nicht, seine Verfolger wirklich abzuschütteln, und da diese zweifellos das Nummernschild seines Autos erkannt hatten, wussten sie sicherlich inzwischen durch eine Halterfeststellung längst, wem sie da auf den Fersen waren.
Ricky ärgerte sich über die Kurzsichtigkeit seines Verhaltens. Es war genau die Corvette, die ihn immer wieder in finanzielle Engpässe brachte. So ein Schlitten verschlang einiges an Geld, und da er einem ehrlichen, geregelten Job eher ablehnend gegenüberstand, ließ er sich immer wieder auf krumme Geschäfte ein. Diese hatten ihn schon mehr als einmal in arge Schwierigkeiten gebracht, und mehrmals hatte er schon ein paar Monate dafür im Knast verbringen müssen. Doch das waren alles kleine Deals gewesen. Jetzt hatte er sich eines versuchten Raubes schuldig gemacht, und das alles nur, weil es dieses Mal wirklich brenzlig geworden war: Die Raten für seinen sportlichen Wagen waren derart weit im Rückstand, dass die Bank schon damit gedroht hatte, ihm seinen ganzen Stolz zu pfänden. Jetzt konnte er nicht mehr einlenken – der Raub war gescheitert, er war auf der Flucht und die Bullen wussten, wer er war. Dieses Mal würde es nicht mehr mit zwei bis drei Monaten erledigt sein. [ ... ]


Es gibt wohl kaum ein Thema im Sektor der Phantastik, das sich über Jahrhunderte derart populär gehalten hat wie das der Spuk- und Geisterhäuser. Das Schema gestaltet sich fast immer nach demselben Prinzip: Eine alte Legende, ein noch vorhandenes Haus, die Angst vor dem Betreten desselben und jemand, der es schließlich doch tut. "Das alte Haus von Rodney Oates" bildet hier keine Ausnahme. Es sind klassische Gruselelemente, die auf den Protagonisten (und somit auf den Leser) einströmen: Das Eindringen in ein verfluchtes Haus, aus dem es kein Entkommen mehr zu geben scheint und die fatale Erkenntnis, es offenbar mit übersinnlichen Erscheinungen zu tun zu haben - seit Poes Zeiten ein nicht mehr wegzudenkender Faktor in der Horrorliteratur.