13 - Das leere Grab im Wald

(c) 2014 J. Mertens

 

BoD-Short (eBook)

enthalten in: "Weitere Psychotische Episoden"

 

€ 0,99

 

Beziehbar über die meisten großen Internetportale (siehe weiter unten).



Nach Jahrzehnten treffen sich zwei verbitterte alte Zausel wieder. Ein Verbrechen, das vor langer Zeit verübt wurde, fordert offenbar seinen Tribut. In einem geisterhaften, leblosen Wald stehen sie vor dem leeren Grab - und eine alte Feindschaft flammt wieder auf. Ist es die späte Rache der unseligen Kelsie Becket?




Das Zwielicht der Abenddämmerung hatte sich über das Land gelegt und tauchte den Himmel in malerische Farben. Ein dünner Teppich aus feinen Wolken schob sich langsam am Mond vorbei und dämpfte dessen von der Sonne gestohlenes Licht wie ein Streifen Gaze. Seit einer Ewigkeit lebte dieser Trabant mit einer Lüge, und doch hatte er keine Skrupel, jeden Abend ganz unverblümt am Firmament zu erscheinen und seinen falschen Glanz der Welt vorzuführen. Wie einst Prometheus hantierte er mit einem Feuer, das ihm nicht gehörte. Offenbar plagte ihn kein schlechtes Gewissen. Fürchtete er denn keine Strafe?
Mit derart ungewöhnlichen Gedanken, die sich durch sein altes Gehirn wanden, schaute Lockford Rhodes durch das kleine Fenster in die allmählich einsetzende Nacht hinaus. Was er sah, war das gleiche Bild wie jeden Abend, und die Stille, die sein einsames Haus umgab, wurde durch nichts gestört. Und dennoch schien das Kunstwerk, das am heutigen Abend an die riesige Leinwand des atmosphärischen Gewölbes gemalt wurde, von einer seltsamen Ungewissheit überpinselt zu werden, die sich bezüglich der Stärke des bald folgenden Schwarztones noch nicht entscheiden konnte oder wollte. Auch wirkte das tiefe Schweigen, das den Wald sonst mit einer totalitären Gewissheit ummantelte, heute wie eine unsichere Frage, die ohne Verlangen nach Antwort in die Leere entlassen wurde. [ ... ]


Seltsame Impulse sind es manchmal, die eine Geschichte nach vorn treiben. "Das leere Grab im Wald" stand als Idee mit der bloßen anfänglichen Vorstellung der beiden alten Herren, die sich schweigend nach langen Jahren wieder begegnen. Der Rest der Story sponn sich allmählich um die Stimmung, die diese unbedeutende Szene auf mich machte, und es war naheliegend, dass ein schwer gehütetes Geheimnis im Mittelpunkt stehen musste, das die beiden Zausel trotz aller Unsympathie miteinander verband. Ungewissheit, ein nebulöser Vorgang und eine dräuende Gefahr waren Elemente, die ich von Anfang an einbringen wollte. Heraus kam eine klassische Gruselgeschichte.