3 - Frühlingsgefühle

(c) 1997 J. Mertens

 

BoD-Short (eBook)

enthalten in: "Psychotische Episoden"

 

€ 0,99

 

Beziehbar über die meisten großen Internetportale (siehe weiter unten).



Während die Polizei nach mehreren Vermissten sucht, lernt der notorisch bewaffnete und aggressive Jean die attraktive Natasha kennen. Die beiden verleben einen gemütlichen Tag und einen schicksalhaften Abend ...




Durch die Ritzen der Jalousien drangen schmale Streifen des frühmorgendlichen Sonnenlichtes in das Schlafzimmer. Natasha blinzelte verschlafen, als sanfte Mantovani-Klänge aus dem Radiowecker ihre Ohren erfüllten. Die Müdigkeit in den Gliedern und die Erinnerung an wirre Träume der vergangenen kurzen Nacht noch im Kopf, kämpfte sie sich aus dem Bett. Sie gähnte laut und streckte sich auf dem Weg ins Badezimmer. Langsam, aber zielstrebig bewegte sie sich in Richtung Spiegelschrank. Sie konnte sich Zeit lassen, schließlich hatte sie Urlaub. Es war daher schon verrückt genug, um sieben Uhr in der Früh aufzustehen, doch stand sie unter der stetigen Befürchtung, etwas zu versäumen. Die freien zwei Wochen wollte sie voll und ganz auskosten. Den ewigen Stress im Büro vergessen, einfach mal nur leben. Es war ihr dabei gleichgültig, was andere Leute von ihrem augenblicklichen Lebenswandel hielten. Es war ihr auch klar, dass sie verschiedenenorts für eine Nymphomanin gehalten wurde. Sie selbst sah es jedoch eher so, dass sie halt noch nicht zu ihrem wahren Ich gefunden hatte. Was ihr fehlte, war der Mann fürs Leben. Und den wollte sie in diesem Urlaub finden, notfalls über windige Abenteuer. Doch das war alles andere als einfach – für ein Mädchen wie Natasha. [ ... ]


Manchmal neige ich zu sehr abstrusen Ideen. Aus einer dieser Ideen entstand die Geschichte "Frühlingsgefühle". Denn im Prinzip schrieb ich sie seinerzeit hauptsächlich, um die Schriftstellerin Hera Lind zu ärgern. Sie hatte zu jener Zeit einen Wettbewerb ausgerufen und sammelte zu diesem Zweck Kurzgeschichten über sogenannte Superweiber (in Anlehnung an die damals populäre Erfolgsverfilmung ihres Buches). Natürlich dachte die gute Dame da an emanzipierte Literatur, an Geschichten über selbstbewusste Frauen und dergleichen. Das Superweib in "Frühlingsgefühle" ist da natürlich etwas anderer Natur. Unnötig zu erwähnen, dass weder mein Beitrag in der entsprechenden Anthologie erschien noch irgendein Feedback von Hera Lind zu erwarten war - vermutlich wickelte sie in meine Story ihre Butterbrote ein. Dafür fand das gute Stück Einzug in meine "Psychotische(n) Episoden" - wo es definitiv auch hingehört.