5 - Liesa

(c) 1988 J. Mertens

 

BoD-Short (eBook)

enthalten in: "Psychotische Episoden"

 

€ 0,49

 

Beziehbar über die meisten großen Internetportale (siehe weiter unten).



Der Wunsch, einen perfekten Mord auszuführen, nimmt für einen Büroangestellten konkrete Züge an, als er sich mit seiner Chefin überwirft. Ein perfider und abscheulicher Plan lässt Blut regnen ...




Zweifellos einer der größten Mängel der menschlichen Rasse ist, ich berufe mich hierbei natürlich nur auf meine eigene Überzeugung, die Unfähigkeit, den eigenen Seelenzustand zu erfassen und korrekt zu beurteilen. Fühlt man sich doch innerlich stets als eine völlig der Zeit und der Gesellschaft angepasste Persönlichkeit. Wie schnell aber bekommt man dann von eben dieser Gesellschaft zu hören, man sei wahnsinnig, hat man doch nur eine vielleicht fixe Idee ausgesprochen, die nicht konkret in den Rahmen der sozialen Ordnung hineinpasst? So empfinde ich es als ein Geschenk der Natur, dass ein jeder nur stets sein Gegenüber nach dem Seelenzustand beurteilen kann. Doch mit dem Worte Wahnsinn, so scheint mir nun, sollte man vorsichtig sein. Wer denkt schon ernsthaft an die Abartigkeit der Handlungen, derer ein krankhaft dem Wahnsinn verfallenes Gehirn fähig sein kann?
Wie ich bereits erwähnte, kann ich mir die Frage, ob ich mich selbst als wahnsinnig zu bezeichnen habe, nicht beantworten. Als Urteilsgrundlage dienen schließlich diese Worte und die folgende wahre Geschichte. [ ... ]


Während einer kurzen Krankheitsphase (Ich handelte mir mit 21 Jahren noch die als Kind versäumten Windpocken ein) studierte ich intensiv das Werk Edgar Allan Poes. Obwohl ich schon seit über zehn Jahren Kurzgeschichten verfasste, war dieser Punkt jedoch der Startschuss zu meinem aktiven Schaffen als Autor, denn die Werke dieses Meisters fesselten mich wie keine anderen und verknüpften mein Interesse endgültig mit der Phantastik. Zu dieser Zeit arbeitete ich hauptsächlich an Geschichten mit wahrem Kern. "Liesa" ist eine Kurzgeschichte, die aus purem Hass entstand. Tatsächlich existierte eine Entsprechung dieser Person in meinem realen Leben, und ich kann, bei allen rückwirkenden Bemühungen zu ihrer Entlastung, noch heute sagen, dass ich sie literarisch mit Genuss und Freude sterben ließ. Ich weiß nicht, ob die Dame heute noch lebhaft ist - falls nicht: Ich wasche meine Hände in Unschuld.