9 - Thornhayden: Der grinsende Tod

(c) 1997 J. Mertens

 

BoD-Short (eBook)

enthalten in: "Psychotische Episoden"

 

€ 0,99

 

Beziehbar über die meisten großen Internetportale (siehe weiter unten).



Brick Thornhayden wird nach dem Tode seiner Eltern von seinem steinreichen Onkel Wilbur aufgezogen. Zunächst hofft er auf eine Erbschaft, doch er merkt alsbald, dass dieser ganz andere Pläne hegt. Mordgedanken entstehen, die Brick auch in die Tat umzusetzen gedenkt. Doch die Situation entwickelt sich zum Furiosum ...




Ich muss mich beeilen, diese Zeilen zu Papier zu bringen, denn es ist dringend davon auszugehen, dass mir nicht mehr viel Zeit bleibt. Die ersten Schweißperlen bilden sich bereits auf meiner Stirn, die Luft wird knapp. Hätte ich mir doch bloß rechtzeitig mein Vorhaben aus dem Kopf geschlagen. Jetzt ist es zu spät – starr und grinsend liegt er da, als feiere er seinen Sieg. Ich kann nur hoffen, dass wenigstens die Streichhölzer reichen, mit deren abgebrannten Spitzen ich dieses Dokument verfasse, und dass ich mit den leeren Einbandseiten der großen Bibel für den Text auskomme.
Mein Name ist Brick Thornhayden. Im Bezug auf das, was ich mitzuteilen habe, tut dies zwar nicht viel zur Sache. Ich halte es aber trotzdem für klug, meinen Namen zu erwähnen, um später, für den Fall, dass ich irgendwann einmal hier gefunden werde, die Identifikation zu erleichtern, denn ich habe keine Vorstellung von dem Zustand, in dem sich mein Körper dann befinden wird. Es wird sicherlich noch lange dauern, bis irgendwer auf die Idee kommt, mich ausgerechnet hier zu suchen. Möge Gott meiner Seele gnädig sein. [ ... ]


Es gibt Lektoren von solcher Dämlichkeit, dass man sich fragen muss, ob sie wirklich jemals ein Buch gelesen haben. Auf einen solchen traf ich bei der Überprüfung meines fertigen Manuskriptes der Urversion von "Psychotische Episoden". Ausgerechnet an der Geschichte "Thornhayden - Der grinsende Tod" ließ er kaum ein gutes Haar. Er begriff einfach nicht, dass sich diese Story ganz bewusst an klassischen Schauergeschichten orientiert und daher auch einige veraltete Ausdrücke aufweist. Seltsamerweise hatte dies jeder "Nicht-Lektor", dem ich die Geschichte vorlegte, sofort verstanden und gutgeheißen. Ich hoffe, dass der gute Mann niemals eine ältere Übersetzung von Tolkiens Werken in die Finger bekommt; sonst leben die Hobbits bald "zeitgemäß" im Sozialwohnheim ...