4 - Tief unten

(c) 1998 J. Mertens

 

BoD-Short (eBook)

enthalten in: "Psychotische Episoden"

 

€ 0,99

 

Beziehbar über die meisten großen Internetportale (siehe weiter unten).



Lee Stockwell versetzt einen Probanden in Hypnose, um ihn in vorgeburtliche Zustände zurückzuversetzen. Wie weit er ihn bereits in die Vergangenheit geschickt hat, ahnt er jedoch keineswegs ...




Schon als kleines Kind interessierte mich, vermutlich durch meine christliche Erziehung bedingt, wo Himmel und Hölle wirklich zu finden sind. Dass der Himmel im theologischen Sinne nicht mit dem tagtäglich sichtbaren Firmament identisch war, erkannte ich eigentlich recht schnell, da in der englischen Sprache für beides verschiedene Begriffe existieren: Heaven für den paradiesischen, Sky für den augenscheinlich wahrnehmbaren Himmel. Ebenso wenig konnte ich die Weisheiten der Kirche akzeptieren, wonach das Paradies denen vorbehalten blieb, die auf Erden gute Werke taten, und auch dass die Hölle kein furchtbarer Ort ewigen Fegefeuers für die Sündigen sein konnte, dessen war ich mir im zarten Kindesalter schon sehr sicher. Eine wissenschaftliche Ader in meinem Denken konnte ich nie verleugnen, und so kam ich schnell zu der Überzeugung, dass unser Gehirn uns mit der Vortäuschung einer weiteren Welt und eines Lebens nach dem Tode einen Streich spiele, da wir Menschen uns naturbedingt nicht mit unserer eigenen Sterblichkeit abfinden wollen oder können. Wenn es so etwas wie Unsterblichkeit gab, so lag für mich die Hypothese der Reinkarnation am greifbar nächsten. Noch eher glaubte ich jedoch an archetypische Muster in unserem Unbewussten, denn wie hätte ich mir sonst die weitgehenden Ähnlichkeiten in den Religionen der verschiedensten Völker der Erde erklären können? [ ... ]


In meinen Geschichten verarbeite ich nicht selten auch Träume. Die Story "Tief unten" basiert auf einem Traum, den ich als Jugendlicher hatte. In dieser nächtlichen Vision befand ich mich im biblischen Paradies und wurde darin einer Bohnenranke gewahr, die den Garten Eden mit meinem Bewusstsein verband; sie wuchs in Unermessliche und verschwand irgendwo weit über mir. Kurz darauf entdeckte ich den Baum der Erkenntnis und schüttelte ihn, worauf mir die undefinierbaren Früchte (fälschlicherweise oft als Äpfel angesehen) auf den Kopf fielen. Für diese Art von Traum gibt es sicherlich die unterschiedlichsten psychologischen Erklärungskonstrukte. Diese überlasse ich jedoch der Deutungskunst des Dr. Stockwell, der in dieser Kurzgeschichte seinen ersten Auftritt hat.