20 - Vom Wissensdurst der Geister

(c) 2015 J. Mertens

 

BoD-Short (eBook)

enthalten in: "Weitere Psychotische Episoden"

 

€ 0,99

 

Beziehbar über die meisten großen Internetportale (siehe weiter unten).



Der Hotelbesitzer Ernst Kobusch sucht den Physiker Lutz Mahlmann auf, der ihm in einer peinlichen Angelegenheit helfen soll: In seinem frisch renovierten Hotel treiben Geister ihr Unwesen, die exakt das nachahmen, was in ausgelegten Texten geschrieben steht. So macht sich Kobusch Sorgen um die potentielle Reiselektüre seiner Gäste. Mahlmann kommt der Bitte nach - und der notorische Skeptiker hat seine eigene Methode, mit Geistern umzugehen ...




Es war mir außerordentlich peinlich, den geschätzten und berühmten Physiker Lutz Mahlmann aufsuchen zu müssen, insbesondere mit diesem überaus ungewöhnlichen Anliegen. Immerhin war es nicht ausgeschlossen, durch die bloße Erwähnung der näheren Umstände in meinem gesellschaftlichen Umfeld der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden, weshalb ich auf seine Diskretion hoffte. Schließlich hatte auch der Wissenschaftler einen Ruf zu verlieren und würde die Geschichte sicherlich nicht in der Öffentlichkeit verbreiten.
Zögernd betätigte ich den Türklopfer, und bereits Sekunden später hörte ich das Schlurfen seines betagten Dieners, der mich sogleich in Empfang nahm.
»Sie wünschen?«
»Kobusch ist mein Name«, stellte ich mich mit einer devoten Verbeugung vor, »Ernst Kobusch. Ich hätte gern in einer ernsten Angelegenheit mit dem sehr verehrten Herrn Mahlmann gesprochen.«
»Kommen Sie rein und setzen Sie sich«, lud der Alte mich ein. »Ich werde Sie bei meinem Herrn anmelden.«
Nachdem er mir die Tür ein Stück weiter geöffnet hatte, trat ich in die komfortable Lobby ein und nahm auf einem Chippendalesofa Platz. Hinter mir hörte ich den Diener sich entfernen. [ ... ]


Hier haben wir wiederum eine klassisch angehauchte Geistergeschichte vor uns. Unterscheiden tut sie sich jedoch von den meisten Geschichten darin, dass ausgerechnet der »Geisterjäger« ein eingefleischter Skeptiker ist und auch nach vollzogener Arbeit ein solcher bleibt, während die eigentlichen Vorgänge lediglich durch wörtliche Rede in Erscheinung treten. Dabei kommt auch ausnahmsweise der Humor nicht zu kurz.