24 - Weckruf der lebenden Toten

(c) 2015 J. Mertens

 

BoD-Short (eBook)

enthalten in: "Weitere Psychotische Episoden"

 

€ 0,99

 

Beziehbar über die meisten großen Internetportale (siehe weiter unten).



Drei junge Leute schauen sich im Autokino einen Zombiefilm an. Plötzlich scheint das Geschehen wahr zu werden: Horden von Untoten fallen über die Gäste her, die ebenfalls zu lebenden Leichen mutieren. Die drei flüchten in eine Gaststätte und stellen bald fest, dass sie sich dort in der Gesellschaft einer rassistischen Bürgerwehr befinden. Doch die autonomen Schießwütigen glauben kein Wort ihrer Geschichte. Im Gegenteil stellt sich bald heraus, dass sie eine Gefahr gegen eine andere getauscht haben ...




Das Mädchen schrie aus Leibeskräften, während der Zombie sich unbekümmert auf sie zubewegte. Von einer augenscheinlichen Gier nach Fleisch und Blut getrieben, streckte der stark verweste Körper seine zerfallenen Arme aus, um es an den Haaren zu packen. Ein hungriges Keuchen entströmte seinem lippenlosen Mund. Die junge Frau tastete die Wand hinter sich, an die sie bereits getrieben worden war, mit den Händen ab, hielt dabei jedoch mit weit aufgerissenen Augen den grauenvollen Angreifer im Visier. Die Hoffnung auf das Erfühlen einer Türklinke, die ihre weitere Flucht ermöglicht hätte, zerschlug sich im Nu. Nicht einmal einen als Waffe geeigneten Gegenstand konnte sie erfühlen. Und in diesem Moment griff der Untote zu, riss sie an den Haaren zu sich und vergrub seine faulen Zähne tief in ihrem Hals. Der Todesschrei der Frau erstarb in einem röchelnden Gurgeln, als der Zombie ein beträchtliches Stück Fleisch herausbiss, woraufhin eine Blutfontäne aus ihrer Halsschlagader spritzte und ihr Kleid besudelte. Sterbend sank sie an der Wand zu Boden. Nur eine Sekunde zu spät peitschte der Gewehrschuss ihres Retters durch den Raum, der den Kopf des Ungeheuers augenblicklich wie einen Kürbis zerplatzen ließ. Eine gelbliche, schleimige Masse, vermischt mit roten und schwarzen Partikeln, verteilte sich in der Zimmerecke und vermischte sich mit dem Blut des Opfers.
»So einen Scheiß habe ich ja im Leben noch nicht gesehen«, murmelte Lucy auf der Rückbank des Buicks, während sie gleichzeitig auf Popcorn herumkaute. »Warum gefällt euch so was?« [ ... ]


In meinen Flegeljahren sah ich mir so ziemlich jeden Zombiefilm im Kino an. Die wandelnden Leichen prägten die Landschaft des Horrorfilms in den 80er Jahren und auch meine damalige Vorliebe, was das bevorzugte Genre anging. Blut musste fließen und Köpfe zerschossen werden. So unterhaltsam die Filme damals auch waren, so schwierig gestaltet sich die literarische Umsetzung eines solchen Stoffes. Es ist wahrlich nicht einfach, ein Zombieszenario in ernsthafte Worte zu fassen - schon die Kinoversionen wirken bei billigen Tricks ungewollt komisch. Doch es war mir ein Bedürfnis, mich dieser Herausforderung zu stellen. Die Bewertung obliegt meiner geschätzten Leserschaft.